Donnerstag,
30. Mai 2013
Mein Blog: Schnelldichtung in Hotelzimmern, Teil 77.
Jetzt in
Serie
: Fingerübungen an Feder und Fotoapparat. Zwei, Vier- und
geringfügig Mehrzeiler sowie Aufnahmen aus dem spannenden
Leben eines Reisedichters. Aus Anlass eines nahenden Ladenschlusses
für das Verfassen eines Buches über das Ruhrgebiet
... über ebenjenes.
Vom Wirkbereich der Poesie
Schacht und Kasse – gleichsam leer
Wo kommt getz die Kohle her?
Ach,
dat wird sich allet richten!
(Außerhalb von solch Gedichten)
* * * Soundtrag zum Eintrack:
The Smiths - What
Difference Does It Make?
Mittwoch,
29. Mai 2013
Mein Blog: Schnelldichtung in Hotelzimmern, Teil 76.
Jetzt in
Serie
: Fingerübungen an Feder und Fotoapparat. Zwei, Vier- und
geringfügig Mehrzeiler sowie Aufnahmen aus dem spannenden
Leben eines Reisedichters. Aus Anlass eines nahenden Ladenschlusses
für das Verfassen eines Buches über das Ruhrgebiet
... über ebenjenes.
Ein Tief überm
Hochofen Duisburg Nord
Ein Tief überm Hochofen Duisburg Nord
Sieht aus, als geschieht hier heut Nacht noch ein Mord
Fauchend stiebt Glut in Wut sich durch Eisen und Schlacke
Ein Schummel-Schimanski seufzt planlos: „Attacke!“
Und das Tief schaufelt Wolken aus Finsternis
Schummrig schimmelnd erzählen erwählte Relikte
Von Marxloh schrillt willig ein türkisches Fest
Am Straßenrand lungern nach Hochfeld Geschickte
Und stets flüstert einer: „Das ist nur ein
Test!“
Ständig bleckt der Überbiss
Und dann ist auch das wieder alles Geschichte
Als Tatort verdorrt – nur noch Hort der Gedichte
Von Arbeit, Arbeit, Migration
Vom Strandurlaub im Ungewiss
Wer länger bleibt, der kennt es schon
* * * Soundtrag zum Eintrack:
Arcade
Fire - Deep Blue
Sonntag,
25. Mai 2013
Mein Blog: Schnelldichtung in Hotelzimmern, Teil 75.
Jetzt in
Serie
: Fingerübungen an Feder und Fotoapparat. Zwei, Vier- und
geringfügig Mehrzeiler sowie Aufnahmen aus dem spannenden
Leben eines Reisedichters. Heute das Dreivierteljubiläum einer
streng gen Hundert strebenden Reihe. Teil 75!
Gruß von der
Sänfte (getragen Richtung 100 traben)
Insgeheim kann ich schon spüren
Wie die frühen Starallüren
Schür'n die Divenhaftigkeit
Manch Krütük greift auch zu weit
Mäkelt die Verteidigung
Majestätsbeleidigung!
Spart Euch das, ruft freudenvoll:
Ach, was reimt der Boy doch toll!
Hoch lebe er, der Klötgen Frank
Dort, auf seiner Sänftenbank!
* * * Soundtrag zum Eintrack:
Kitty
Daisy & Lewis - You'll Soon Be Here
Freitag,
23. Mai 2013
Mein Blog: Schnelldichtung in Hotelzimmern, Teil 74.
Jetzt in
Serie
: Fingerübungen an Feder und Fotoapparat. Zwei, Vier- und
geringfügig Mehrzeiler sowie Aufnahmen aus dem spannenden
Leben eines Reisedichters. Aus Anlass eines nahenden Ladenschlusses
für das Verfassen eines Buches über das Ruhrgebiet
... über ebenjenes.
Die Haldendichtung nach
Löhnmann Herms
Grün ist die Halde
Die Halde ist grün
Doch der Abraum darinnen
Kann bald wieder glüh'n
* * * Soundtrag zum Eintrack:
Tom
Waits - Green Grass
Mittwoch,
21. Mai 2013
Mein Blog: Schnelldichtung in Hotelzimmern, Teil 73.
Jetzt in
Serie
: Fingerübungen an Feder und Fotoapparat. Zwei, Vier- und
geringfügig Mehrzeiler sowie Aufnahmen aus dem spannenden
Leben eines Reisedichters. Aus Anlass eines nahenden Ladenschlusses
für das Verfassen eines Buches über das Ruhrgebiet
... über ebenjenes.
Meisterschalen und Schales
meistern
Wenn die blauweißen Knappen ganz knapp unterliegen
Die Borussia in Russia versäumt hat zu siegen
Ringt der Ruhrpott mit der Fassung
Und tränenreich geht’s gleich zur Trainerentlassung
Doch wie kling'n erst derer Klagen
Die durch stete Niederlagen
Strandeten in Unterligen
Während andre munter siegen
Ach, wat leiden all die treu'n
Fans von Wattenscheid 09!
Fehlt dem VfL die Spannkraft
Zum Comeback als Fahrstuhlmannschaft?
Ist für Zebras kein Zaub'rer der Ballkunst zu kriegen
So ein Kleeblatt ja eh wat für untere Ligen?
Werd'n irgendwann wohl die Rot-Weissen
Auch mal wieder etwas reißen?
Tradition schießt keine Tore
Ohne Kohle in der Lore
Setzt du keine Fußballtrends!
(Dat erklär mal deine Fans …)
* * * Soundtrag zum Eintrack:
Frankie
Lymon &
The Teenagers -Why Do Fools Fall in Love
Montag,
19. Mai 2013
Berlin Gedicht: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Das 122. Berlin-Gedicht. Wieder
ein Haltestellengedicht. Ist das der schon der Beginn einer
großen Serie? Hoffen wir nicht.
In Wort und Ton gibt es weitere 121 Berlin-Gedichte, verteilt
über die ganze Stadt. Hier
in der Übersicht!
Das Sein bestimmt das
Bewusstsein
Als höllisches Tier am Halleschen Tor
kommst du dir völlig nutzlos vor
* * * Soundtrag zum Eintrack:
The
Comedian Harmonists - Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier
Donnerstag,
8. Mai 2013
Von unterwegs: Abu Dhabi
Nachdem die verwegene Hochstapelei mit Büchern durch den
mittels ebenjener vorangetriebenem Abverkauf meines Bandes "Mehr
Kacheln!" sein natürliches Ende gefunden hatte, juckte es mir
doch das ein oder andere mal ganz kräftig in den Fingern, mit
den Exemplaren des frisch erschienenen "Kitt!" etwas zu bauen. Allein,
das Bändchen ist mit 176 Seiten doch deutlich dünner
und damit wackliger geraten als sein Vorgänger und zudem nicht
in eine Plastikfolie eingeschweißt, was die Verletzungsgefahr
des Einbands bei Einstürzenden Buchbauten eklatant
erhöht.
Um so schöner war es, der Einladung des Goethe Instituts nach
Abu Dhabi zu folgen, auf der Internationalen Buchmesse vor Ort mit
Büchern einheimischer Verlage in quasi frei
verfügbarer Menge Gebäude nachbauen. zu
können
Da sagt man spontan zu und argwöhnt wenig später, ob
der eigene Übermut einen da in eine blöde Situation
geleitet hat. Denn: Bislang hat man stets nur mit dem selben Buch Dinge
gebaut, allein daheim, auf planem Holzboden, ohne Zeitdruck und mit dem
räumlich abgespeckten Ziel, eine passable Frontansicht
fürs Foto zu erstellen (oftmals reine Kulissenbauten),
bereichert von einigen Deko-Gags, die ein wohlgefüllter
Hausstand unvermittelt anbietet. Und wenn denn das
Buch-Gebäude nicht spektakulär geraten wollte, hat
manches Mal eine leidlich dramatische Beleuchtung ausgeholfen.
Da sollten die Bedingungen auf dem Messeteppich von Abu Dhabi doch ganz
anders ausschauen: Unter 360 Grad-Beobachtung und mit der Ungewissheit,
wie standsicher sich die fremden Bücher erweisen
würden.
Schon bei meinem Roman "Der Fall Schelling", der bei den Kachel-Bauten
für die Farbtupfer sorgte, hatte ich einen Kippel-Drall trotz
angemessener Dicke festgestellt, weil die Bücher anscheinend
architektonisch ungünstig gelagert worden waren und die
Buchdeckel irgendwie leicht verschoben zueinander. Auch fällt
die Plastiknaht der Einschweißfolie bei Büchern
unterschiedlich wulstig aus - und ragt stets dort als Überhang
hervor, wo man den Bausteinen eine Standfläche abringen
möchte. Das mag jetzt nach knatschigem Detailgejammer klingen,
aber man möchte sich vor Publikum ja auch nicht zum
Holterdipolter-nix-bleibt-stehen-Kasper machen.
Noch wusste ich nichts über die mir zur Verfügung
stehenden Bücher, außer dass es Hardcoverausgaben
von gleicher Größe wie die "Mehr
Kacheln!"-Bücher sein sollten. Also kurz vor Abflug noch
einmal zwei Trainingsversionen der von der Messe gewünschten
Gebäude aufgestellt - das Fort Qasr Al Hosn und der Emirates
Palace - und notiert, mit welchen Maßstäben ich
hantieren könnte, sollten die Bücher in Abu Dhabi den
von mir benutzten halbwegs entsprechen. Da gab es keinen Weg
zurück - im Messe-Programm stand schon, dass es um diese
beiden Gebäude gehen würde. Und zumindest in Emirates
Palace kennt in Abu Dhabi jeder. Selbst wenn er erst einen Tag im Lande
sein sollte.
Die Ankündigung meiner Bucharchitektur-Sessions fiel umfassend
aus - in allen Berichten zur Buchmesse wurde auf das vom Goethe
Institut sehr schön getaufte Projekt "Brick by Brick, Book by
Book" hingewiesen. Doch damit nicht genug des Erwartungsdrucks: Direkt
zum Startschuss positionierten sich zwei Fernsehkameras vor der
Baufläche mitten im Eingangsbereich der Halle und die ersten
Zuschauer versammelten sich um die Absperrung, hinter der ich
Bücher aufstellen würde, um innerhalb einer Stunde
daraus das historische Fort Qasr Al Hosn entstehen zu lassen. Und
endlich trafen auch die Bücher ein. Gut 200 dünnere,
die auf dem Teppich immer wieder umfielen, sich allerdings auch
hervorragend gegenseitig stützten - und knapp 100 richtige
Wälzer, die kein Erdbeben umgeworfen hätte. Das
erleichterte.
Die Bücher waren ein ganzes Stück höher und
breiter als "Mehr Kacheln!" oder "Kitt!", was ganz prima war, weil
damit die Gebäude etwas mächtiger wirken
würden, ohne dass man sich mit zusätzlichen
Stockwerken in Einsturzgefahr begibt. Außerdem hatte ich
einen Satz Verpackungsflocken aus Styropor mitgenommen für die
Burgzinnen und mir war am Mittag im Pool der Gedanke gekommen, dass die
Director's Cut-Heftchen von "Der Fall Schelling" chice Palmenkronen
ergeben würden. Das waren schon mal jene Art von Details, die
ein Bauwerk zu DEM Bauwerk machen können. Ohne Pool kommt man
auf so etwas nicht. Muss ich mir merken. Eine Stunde und 25 Minuten
später stand das Fort und sah besser aus als gedacht.
Nach einer Reihe von Fernsehinterviews und Fotos vor dem Fort ging es
zur voll besetzten Poetry Session, wo ich "Das Kleid für Frau
Eleanor" und "Das verschissene Grün dieser Wiese, Luise"
vortrug. Simultan übersetzt über zwei Monitore in
Arabisch und Englisch. Die Leseliste des Slams und Open Mikes war dann
rund 20 Starter lang! Auch am folgenden Tag beim herkömmlichen
Poetry Slam in der Hotelbar des Rocco Forte war die Liste der Slammer
gehörig lang. Wer hätte das gedacht - eine lebendige
Slammer-Szene in Abu Dhabi? Ungewohnt natürlich, dass das
Ganze nicht in einem der prototypischen Kiffkeller am Stadtrand
stattfand, sondern in der Bar eines Fünf-Sterne-Hotels.
Ein weiteres Fünf-Sterne-Hotel hatte ich am gleichen Tag nach
einer Bootsfahrt bereits besichtigt: Den Emirates Palace, der schon mal
für die morgige Bücherbausession Modell stand. Dabei
habe ich erst einmal verstanden, dass der Treppenaufgang, den ich auf
einigen Fotos als recht mickrig empfunden hatte, in Realität
doch sehr viel größer und wichtiger für das
Erleben dieses Gebäudes ist. Alle Besucher streunen dort herum
und machen ihre Fotos auf diesen Treppen. Die müssen also auch
mit aufs Buchbild.
Nicht mit im Bild, aber beeindruckend: Die Goldverzierungen der
Törtchen, die zum Kaffee angeboten werden. Echtes Blattgold.
Quasi auf jedem der im Hause servierten Desserts. Auf diese Weise
werden im Emirates Palace im Jahr fünf Kilo Gold gegessen.
Mein Anteil daran schmeckte köstlich. Auf dem Slam im Rocco
Forte habe ich dann - weil ohne Übersetzung - als Special
Guest nur eine Kurzversion des Bäcker-Raps zum Besten gegeben.
Ich arbeite noch an einer Gold-Version.
Am Tag der zweiten Buchbausession hat es geregnet. In der
Wüste. Warm war es trotzdem und der Pool konnte nochmals als
Ideengeber herhalten. Hat mir irgendwann eingeflüstert, dass
ich die Sache nicht zu locker angehen sollte. Mich dann von den
Plantschkumpanen verabschiedet mit: "Ich gehe dann jetzt den Emirates
Palace bauen." Klang lässig.
Tatsächlich war die für die Vorbereitung eingeplante
halbe Stunde nicht nötig - der Qasr Al Hosn war bereits zwei
Stunden vorher von fleißigen Menschen in Kartons gepackt
worden. Ein Grund dafür: Auch der zweite große
Verlag wollte, dass seine Bücher bei einer der
Architektur-Sessions verbaut werden. 800 neue Bücher seien
bereits auf dem Weg. Format: ähnlich. Ich: skeptisch.
Die neuen Bücher treffen mit Unterstützung des
Messechefs tatsächlich noch wie vereinbart eine Stunde nach
offiziellen Startschuss ein, es wird geschwind eine Stromleitung
für mich für die geplante Beleuchtung der
Palastkuppel verlegt und vier Kameras beziehen Stellung, um den Aufbau
komplett zu filmen. So langsam schwant mir: Das ist jetzt Kunst, was du
hier machst! Und das Beste daran: Die neuen Bücher sind so
hübsch wie standsicher.
Einziger Nachteil: Das hellblaue Buch - irgendetwas über das
Verhältnis Islam/USA - sind so interessant, dass immer mal
Exemplare verschwinden. Das kommt auf den besten Baustellen vor,
Materialdiebstahl. Aber als Künstler vermisst man den Respekt
für die tragenden Mauern seiner Werke. Als ich nach
Fertigstellung des Palastes eine kurze Runde über die Messe
drehe, finde ich bereits einen eingestürzten Aufgang vor. Aber
der lässt sich noch mal reparieren und der Radius der
Absperrung nochmals erhöhen. So soll das Ding jetzt stehen
bleiben bis zum Ende der Messe.
Ganze zweieinhalb Stunden hat mich das mächtige
Gebäude gekostet und das, obschon ich mich wirklich beeilt und
Schweißränder am Hutsaum in Kauf genommen habe.
Darunter sicherlich auch die ein oder andere Schliere
Angstschweiß. Zum einen, weil ich aufgrund der Eile manches
Mal etwas fahrig über meine eigenen Bücher oder das
Kabel der Lampe stolperte, zum anderen, weil ich erkennen musste, dass
auch die großzügige Menge von 800 Büchern
endlich ist. Glücklicherweise standen zusätzlich noch
die hundert Exemplare der dicken Wälzer vom Al Hosn-Fort zur
Verfügung, die mengenmäßig und von der
Standsicherheit eine gute Grundlage bildeten für das rund
anderthalb Tonnen schwere Gebäude.
Wie immer schaut man nach Abschluss eines solchen Bauprojektes recht
ungläubig das Ergebnis an. Das war tatsächlich ich,
der das gebaut hat? Es sieht immer besser aus, als man sich zuvor
erhofft hat. In der unwirklichen Atmosphäre einer Buchmesse am
arabischen Golf führt das zu einem zusätzlichen
Juchzer im Hinterkopf. Ich weiß nicht, wie viele Interviews
ich im Anschluss gegeben habe - man ist ja auch noch etwas im
Erbauer-Rausch so kurz nach dem letzten Bücherspatenstich.
Aber es war ein immenses Interesse und der Bücherbau ein
beliebtes Fotomotiv des Messetags. Es fällt dann immer etwas
schwer, sich von dem Gebäude zu verabschieden. In diesem Fall
auch von einer Salatschüssel und einer Ikea-Lampe, die den
morgigen Rückflug nicht antreten werden, sondern noch einen
weiteren Messetag für Stimmung sorgen sollen.
Als ich am späten Abend in einer Bar im 62. Stock eines
Gebäudes an der Küstenstraße den besten
Cocktail meines Lebens trinke und den richtigen Emirates Palace
betrachte, habe ich ungefähr den Blickwinkel wie auf die von
mir hingestellte Version. Und die allgegenwärtigen
Kräne im Rest der Skyline geben einem das Gefühl,
dass das mit den Bücherbauen auf keine Buchmesse so gut passt
wie der in Abu Dhabi.
Mit großem Dank an das Goethe Institut der Golfregion und die
Buchmesse Abu Dhabi für die Einladung, Unterbringung und
Unterhaltung. Auch dafür, dass die Gedichte nicht vollends in
den Hintergrund treten mussten und meine Gedichtbände nun auch
die German International School bestücken, wo ich zwei
Slam-Shows abhalten konnte. Und nicht zuletzt für die
wundervollen englischen Übersetzungen, die ja auch immer ein
Fuß in der Tür der Restwelt bedeuten.
* * * Soundtrag zum Eintrack: We Were
Promised Jetpacks - A Half Built House
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07/2007-12/2012 im Deutschen Literaturarchiv Marbach
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